Für viele ist der Perfekte Bleistift von Graf von Faber-Castell das höchste der Gefühle, wenn es um Bleistifte geht. Ist der hohe Preis von 220 Euro für die platinierte Version des Perfekten Bleistifts angemessen? Nach drei Monaten kann ich ein eindeutiges Fazit ziehen.

Bei dem Perfekten Bleistift handelt es sich um einen Bleistiftverlängerer, der unterwegs als Kappe auf die Mine eines Bleistifts gesteckt werden kann und in dem sich ein integrierter Anspitzer befindet. Der Bleistift lässt sich somit transportieren, ohne dass die Mine beschädigt wird oder andere Gegenstände verschmutzt durch die Mine werden. Und wenn die letzten Zentimeter des Bleistifts angebrochen sind, lässt es sich mit diesem dank des Bleistiftverlängerers noch immer angenehm schreiben.

Geschichte

Wenn Faber-Castell eine Domäne hat, dann sind es Bleistifte: Im Jahr 1761 begann Kaspar Faber mit der Herstellung von Bleistiften und begründete so die über 250 Jahre alte Geschichte der Firma Faber-Castell. Mit der Serie Graf von Faber-Castell bietet das Unternehmen edle Schreibgeräte und Schreibtischaccessoires an – unter anderem den Pefekten Bleistift.

Der Perfekte Bleistift ist seit 1993 auf dem Markt. Anfangs wurde dieser jedoch zunächst als Bleistiftverlängerer – noch nicht als Perfekter Bleistift – bezeichnet. Die früheren Versionen verfügten zudem noch nicht über einen Anspitzer in der Kappe; stattdessen befand sich dort das Radiergummi. Erst seit 1999 existiert die Variante, die bis heute Standard ist: In der Kappe befindet sich ein Anspitzer, auf der Rückseite des Bleistifts ein durch eine zusätzliche Kappe geschütztes Radiergummi.

Von dem Perfekten Bleistift gibt es auch preiswerte Versionen für wenige Euro von Faber-Castell, etwa in schwarz (Link zu Amazon – Affiliate) oder dem klassischen Faber-Castell-Grün (Link zu Amazon – Affiliate).

Bei der hier vorgestellten Variante handelt es sich um den Perfekten Bleistift, platiniert, Schwarz (Link zu Amazon – Affiliate | Link zu Graf von Faber-Castell).

Auspacken

Der Perfekte Bleistift wird in einer attraktiven Geschenkverpackung geliefert. Wie so oft bei Schreibgeräten beginnt aber zunächst alles mit einer schlichten, weißen Umverpackung, deren Etikett bereits einen Hinweis auf den Inhalt liefert.

Hat man diese Umverpackung erst einmal überwunden, offenbart sich einem allmählich die elegante Attitüde, die das Schreibgerät zu versprechen vermag.

Bei der eigentlichen, finalen Box handelt es sich um eine ansprechende Holzschatulle.

Diese Schatulle kann zugleich als Ablage für drei Schreibgeräte verwendet werden: Im Inneren befindet sich eine Einlage, die Platz für drei Stifte nebeneinander bietet.

Neben dem Perfekten Bleistift, der in einem schonenden Stoffbeutel geliefert wird, befindet sich in der Box ein kleines Heft, das eine Doppelfunktion hat und zugleich Garantiezertifikat sowie Bedienungsanleitung für verschiedene Schreibgeräte von Graf von Faber-Castell ist.

Da ist er endlich – der Perfekte Bleistift.

Erster Eindruck

Der Perfekte Bleistift ist unglaublich gut verarbeitet – Der erste Eindruck könnte tatsächlich kaum besser sein. Die Haptik lässt einen gar nicht erst daran zweifeln, ob der Preis für einen Bleistiftverlängerer gerechtfertigt ist oder nicht.

Ich hatte bereits den günstigen Perfekten Bleistift von Faber-Castell, weil mir das Konzept schon immer zugesagt hat. Zwischen der einfachen Version und dem Grafen liegen jedoch Welten. Die platinierte Kappe ist angenehm schwer und lässt sich mit einem angenehm dosierten Widerstand auf den Bleistift drücken. Der Bleistift riecht angenehm nach Holz. Insgesamt lebt der Perfekte Bleistift von kleinen, aber feinen Details: So ziert unter anderem das Adelswappen der Grafen von Faber-Castell das herausziehbare Ende des Bleistiftverlängerers, hinter dem sich der Anspitzer verbirgt.

Die klassische Variante des Perfekten Bleistifts kommt mit dem braunen Stift. Ich habe mich für die schwarze Variante entschieden. Diese passt perfekt zum Pelikan M805 Stresemann, welcher einer meiner Alltagsfüllfederhalter ist.

Aussehen, Funktionen und Verarbeitung

Der Perfekte Bleistift besteht aus insgesamt sechs verschiedenen Teilen. Auf das hintere Ende des Bleistifts setzt man das Radiergummi auf, welches man mit einer auf den Bleistift aufschraubbaren, platinierten Kappe verdeckt. Der platinierte Bleistiftverlängerer beherbergt im Inneren einen Anspitzer, der auf das ebenfalls platinierte Ende des Bleistiftverlängerers geschraubt wird.

Der Bleistiftverlängerer selbst verfügt über schöne Details. Die Gravuren und Dekorationen sind fein gearbeitet.

Der Clip ist bewegbar und lässt sich dadurch besonders komfortabel benutzen. Solche Details sind es, die dem Perfekten Bleistift seine erste Namenshälfte verleihen.

Das Radiergummi macht einen guten Eindruck und tut, was es soll. Die platinierte Kappe verdeckt das Radiergummi. Ein – zugegebenermaßen kleiner – Kritikpunkt ist, dass sich die Kappe manchmal ein wenig löst, sodass man sie wieder festdrehen muss. Ob es so weit kommt, dass man diese zu verlieren droht? Wenn ja, werden werden 28 Euro für einen neuen Radiergummibewahrer fällig.

Auch der Anspitzer arbeitet zuverlässig.

Benötigt man einen neuen aufschraubbaren Anspitzer, werden 30 Euro fällig.

So schön der gesamte Perfekte Bleistift ist – Der Anspitzer ist es nicht wirklich. Die Verarbeitungsqualität der Lochbohrungen lässt sichtbar zu wünschen übrig.

An sich ist dies nicht schlimm; die Funktionalität wird dadurch nicht beeinträchtigt. Sowieso kommt der Anspitzer (bei mir) nur ausgesprochen selten zum Einsatz. Wenn man aber einen Bleistift der Luxusklasse kauft, dann erwartet man durchweg tadellose Qualität. Hier muss Faber-Castell nachbessern.

Was die eigentliche Funktion als Bleistiftverlängerer anbelangt, so ist der Perfekte Bleistift in der Tat nützlich. Dies funktioniert allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, da der Bleistiftstummel ansonsten nicht mehr aus dem Verlängerer herausziehbar zu sein droht. Mit anderen Worten: Wenn man den Bleistift komplett „runterschreiben“ möchte, dann lässt sich der Bleistiftverlängerer ab einem gewissen Punkt nicht mehr komfortabel als Kappe verwenden.

Sehr schön ist übrigens die Vielfalt der Ersatzbleistifte. Man ist durch den originären Kauf nicht festgelegt, was die Bleistiftvarianten anbelangt und kann der Abwechslung fröhnen. Neben den hier gezeigten kannelierten Ersatzbleistiften in den Farben Schwarz und Braun gibt es – Stand April 2020 – elf verschiedenfarbige, guillochierte Ersatzbleistifte. Durch die verschiedenen Bleistifte bekommt der Perfekte Bleistift ein vollkommen anderes Erscheinungsbild.

Der Bleistiftverlängerer des Perfekten Bleistifts lässt sich übrigens grundsätzlich auch mit anderen Bleistiften verwenden. Man muss jedoch darauf achten, wie dick diese sind. Gut passen sollen etwa Caran-d’Ache-Bleistifte sowie Bleistifte der Marken Swisswood und Grafwood.

Die Bleistifte für den Perfekten Bleistift haben den Härtegrad B. Damit sind sie gut zum Schreiben geeignet. Es gibt noch eine größere Version des Perfekten Bleistifts, den Perfekten Bleistift Magnum. Die dazugehörigen Bleistifte sind mit dem Härtegrad 4B deutlich weicher und dürften sich vorrangig zum Zeichnen eignen. Wie schnell sich der Bleistift abnutzt, ist in erster Linie eine Frage des verwendeten Papiers. Je rauer das Papier, desto schneller verschleißt die Mine.

Die Holzbleistifte liegen zudem ausgesprochen gut in der Hand. Da sie nicht lackiert sind, sind sie angenehm griffig und werden auch dann nicht rutschig, wenn man längere Texte am Stück schreibt.

Preis und Verfügbarkeit

Der Perfekte Bleistift ist einer der größten Klassiker der Firma Faber-Castell. Die Verfügbarkeit ist deshalb vollkommen unproblematisch und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in der Zukunft gewährleistet. Die platinierte Version kostet bei Graf von Faber-Castell derzeit 220,00 Euro (Link zu Graf von Faber-Castell), bei Amazon ein bisschen weniger (Link zu Amazon – Affiliate).

Die Ersatzbleistifte kosten pro Stück 7 Euro. Das ist viel Geld. Andere Markenbleistifte kosten deutlich weniger: Ein Paket Blackwing-Bleistifte à 12 Stück kostet 30 Euro, sodass ein solcher Bleistift 2,50 Euro kostet. Man darf aber nicht vergessen, dass man es hier mit einem Luxusgut zu tun hat. Dinge, die einem alltägliche Dinge wie etwa Schreibarbeiten verschönern, dürfen schon mal etwas teurer sein. Welche Dinge dies sind, muss letztlich jeder für sich entscheiden.

Die guillochierten Ersatzbleistifte sind als Dreierpaket erhältlich, die kannelierten Ersatzbleistifte als Fünferpaket.

Zusammenfassung

Der perfekte Bleistift ist nur fast perfekt – aber sehr nah dran. Mit ihm lässt sich das Schreiben mit einem klassischen Holzbleistift auf höchstem Niveau zelebrieren. Es macht schon einen gewissen Unterschied, ob man mit einem Dreibleistift, etwa einem Montblanc Meisterstück 165, oder dem Perfekten Bleistift schreibt. Bei dem Montblanc-Bleistift und anderen Dreh- und Druckbleistiften schreibt man letztlich immer mit einer Hülle, die die eigentliche Schreibeinheit beinhaltet. Ein Holzbleistift hingegen ist die Schreibeinheit selbst.

Es gibt kein vergleichbares Schreibgerät, das das Schreiben mit einem Holzbleistift zu etwas derart Besonderem macht. Der Perfekte Bleistift vereint diese Fähigkeit mit zahlreichen Details. Die Verzierungen, die Funktionalität, das Understatement und die uneingeschränkte Alltagstauglichkeit machen dieses Schreibgerät zu einem Begleiter, der einem jeden Tag aufs Neue Freude bereitet und aufgrund seiner Einzigartigkeit schnell zu einem sehr persönlichen Gegenstand avanciert.